Fachrichtungen · Kieferorthopädie

KFO-Praxis kaufen oder eröffnen: was eine kieferorthopädische Praxis kostet und wie die Startfinanzierung der Eröffnung läuft

Die Kieferorthopädie ist ein Gerätefach mit langen Behandlungsverläufen. Beides verschiebt die Finanzierung: mehr Technik, die schnell altert, und Behandlungsfälle, die über Jahre laufen. Beides gehört in die Unterlagen. Wer eine kieferorthopädische Praxis eröffnet, finanziert die Gerätelinie mit. Der InvestMonitor von IDZ und apoBank weist die KFO-Fachpraxen für 2024 gesondert aus, allerdings mit kleinen Fallzahlen.

Was müssen Sie bei der Praxisfinanzierung in der Kieferorthopädie außer dem Kaufpreis finanzieren, wenn Sie eine KFO-Praxis kaufen?

Wer eine KFO-Praxis kaufen will, finanziert weit mehr als den Kaufpreis, vor allem die Gerätelinie. Der InvestMonitor 2024 nennt für kieferorthopädische Fachpraxen im Schnitt 543.000 € Gesamtinvestition bei Übernahme oder Einstieg (33 Praxen, davon 347.000 € Kaufpreis) und 917.000 € bei Neugründung (15 Praxen). Zum Vergleich: Allgemeinzahnärztliche Einzelpraxis-Übernahmen kosteten 450.000 €. Maßgeblich ist die Geräteliste der konkreten Praxis, nicht der Durchschnitt.

Welche Zahlen gelten für die Kieferorthopädie, und was bedeuten sie für Ihre Planung?

Der InvestMonitor Zahnarztpraxis 2024 von IDZ und apoBank nennt im Schnitt 543.000 € Gesamtinvestition bei Übernahme oder Einstieg (33 Praxen) und 917.000 € bei Neugründung (15 Praxen). Die Fallzahlen sind klein; für Ihre Planung taugen die Werte als Größenordnung, nicht als Kalkulation.

Was sich gegenüber dem Vorjahr verändert hat: Bei Übernahmen und Einstiegen lag die Gesamtinvestition 2023 bei 617.000 €, 2024 also rund 12 % niedriger. Bei Neugründungen stieg sie von 649.000 € auf 917.000 € (plus 41 %). Bei so wenigen Praxen bewegt eine einzelne große Gründung den Durchschnitt deutlich. Über alle Gründungsformen liegt die Investition in der Kieferorthopädie nach dem InvestMonitor rund 45 % über dem allgemeinzahnärztlichen Niveau.

Vergleich mit der allgemeinen Zahnmedizin: Für zahnärztliche Einzelpraxis-Übernahmen lag der Kaufpreis 2024 im Schnitt bei 226.000 €, die gesamte Praxisinvestition bei rund 450.000 €. Eine allgemeinzahnärztliche Neugründung kostet im Median rund 690.000 €. Der Abstand zwischen Kaufpreis und Gesamtinvestition ist die eigentliche Nachricht: Wer nur den Kaufpreis finanziert, steht nach der Übergabe ohne Liquidität da. Mehr dazu auf der Seite Zahnarztpraxis kaufen.

Gründerprofil: Die ausgewerteten KFO-Gründer waren im Schnitt 37,0 Jahre alt, 58 % von ihnen waren Frauen. Von den fachzahnärztlichen Praxen (KFO sowie Oralchirurgie und MKG-Chirurgie zusammen) waren 73 % Übernahmen und Einstiege und 27 % Neugründungen.

Warum die Technik den Ausschlag gibt: Digitales Volumentomogramm, Fernröntgen und Intraoralscanner werden in der Kieferorthopädie häufig genannt, dazu kommt oft eine eigene Fertigung für Aligner und Apparaturen. Welche Geräte Ihre Praxis braucht, entscheidet die konkrete Geräteliste. Technik altert schneller, als ein Investitionsdarlehen läuft, ein Teil gehört deshalb in Leasing oder Mietkauf. Medizintechnik: Leasing oder Kredit.

KFO-Fachpraxen 2024: Durchschnittliche Investition je Praxis in Euro (InvestMonitor, IDZ/apoBank)
PostenÜbernahme oder Einstieg (33 Praxen)Neugründung (15 Praxen)
Kaufpreis (ideeller und materieller Wert)347.000 (233.000 und 114.000)entfällt
Modernisierung und Umbau34.000279.000
Geräte47.000255.000
Einrichtung und IT28.000228.000
Sonstiges inklusive Betriebsmittel87.000155.000
Gesamtinvestition543.000917.000

Welchen Vorteil hat die Kieferorthopädie, den kaum jemand nennt?

Eine kieferorthopädische Behandlung läuft über Jahre. Für die Bank kann das ein besser vorhersehbarer Zahlungsstrom aus laufenden Fällen sein als ein Umsatz, der jeden Monat neu gewonnen werden muss. Dieses Argument lässt sich mit den Zahlen der Praxis belegen und gehört in die Unterlagen. Welche Unterlagen die Bank sehen will.

Wie die gesetzliche Krankenversicherung zahlt: Nach § 29 SGB V haben Versicherte Anspruch auf kieferorthopädische Versorgung in medizinisch begründeten Indikationsgruppen. Sie leisten dabei 20 % der Kosten an den Vertragszahnarzt, für das zweite und jedes weitere Kind im Haushalt 10 %. Der Zahnarzt rechnet die Behandlung abzüglich dieses Anteils mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung ab. Ist die Behandlung im erforderlichen Umfang abgeschlossen, erstattet die Kasse den Versichertenanteil an die Versicherten zurück.

Mehrleistungen: Wählen Versicherte Leistungen, die über die im Bewertungsmaßstab abgebildeten kieferorthopädischen Leistungen hinausgehen oder sich nur in der Durchführung unterscheiden, tragen sie die Mehrkosten selbst. Vor Beginn ist eine schriftliche oder elektronische Vereinbarung zu treffen. Für die Finanzierung bedeutet das: Der Umsatz einer Praxis besteht aus Kassenanteil, Eigenanteil und Mehrleistungen, und Sie sollten diese Teile in der Planung getrennt ausweisen.

Keine Bedarfsplanung: Für Zahnärzte gelten die Zulassungsbeschränkungen der Bedarfsplanung nicht (§ 103 Abs. 8 SGB V). Sie müssen für eine KFO-Praxis keinen Sitz kaufen. Der Kaufpreis betrifft Patientenstamm, Standort und Ausstattung. Voraussetzung der Zulassung ist die Eintragung in das Zahnarztregister der Kassenzahnärztlichen Vereinigung.

Übernahme einer KFO-Praxis: Warum kaufen Sie die laufenden Fälle mit?

Bei einer Übernahme geht der Bestand an laufenden Behandlungen mit über. Das kann in der Kieferorthopädie besonders viel wert sein: Die Fälle laufen weiter, die Termine stehen, der Zahlungsstrom beginnt nicht bei null. Genau dafür zahlen Sie den ideellen Wert.

Der ideelle Wert: Bei den 33 Übernahmen und Einstiegen entfielen im Schnitt 233.000 € auf den ideellen und 114.000 € auf den materiellen Wert. Der ideelle Wert macht damit rund zwei Drittel des Kaufpreises aus. Lassen Sie ihn von einem Steuerberater oder Gutachter bewerten und lassen Sie sich die laufenden Fälle nach Behandlungsstand aufstellen.

Bei einer Neugründung sparen Sie den Goodwill und tragen dafür die volle Gerätelinie sofort, während die ersten Behandlungen erst anlaufen. Die Rechnung geht auf, wenn die Liquiditätsreserve die Zeit bis zur tragfähigen Auslastung abdeckt. Sie geht nicht auf, wenn die Betriebsmittellinie erst beantragt wird, wenn das Konto eng wird. Den Umbau von Räumen für Behandlungsplätze, Röntgen und Labor finanzieren Sie getrennt von der Technik, weil sich Laufzeiten unterscheiden.

Praxisfinanzierung Kieferorthopäde: Wie wird eine KFO-Praxis finanziert?

Eine KFO-Praxis wird aus Förderdarlehen, Investitionsdarlehen, Leasing oder Mietkauf und einer Betriebsmittellinie finanziert.

  • Förderdarlehen zuerst: KfW 067 bis 200.000 € je Vorhaben bei 80 % Haftungsfreistellung, KfW 077 bis 500.000 € je Antragsteller, höchstens 35 % der förderfähigen Kosten, mit 100 % Bürgschaftsbank-Garantie. Beide sind nicht kombinierbar.
  • Investitionsdarlehen für Kaufpreis, Umbau und die langlebigen Teile der Ausstattung (Praxisübernahme).
  • Leasing oder Mietkauf für DVT, Scanner und Fertigungstechnik, alles, was schneller altert, als die Zinsbindung läuft (Medizintechnik-Leasing).
  • Betriebsmittellinie für die Anlaufphase, bei einer Neugründung zwingend (Betriebsmittel und Liquidität).

Antrag vor Vorhabensbeginn: Förderdarlehen werden vor Vorhabensbeginn über die Hausbank beantragt. Was die Hausbank und die KfW im Einzelfall als Beginn werten, etwa einen unterschriebenen Kaufvertrag, klären Sie vor der Unterschrift. Ohne diese Klärung riskieren Sie, dass ein Förderdarlehen nicht mehr in Frage kommt.

Praxisfinanzierung für Kieferorthopäden: Welche Nachweise machen die Angebote vergleichbar?

Je konkreter Geräteliste, Fallzahlen und Liquiditätsplanung belegt sind, desto besser lassen sich Finanzierungsangebote vergleichen. Die vier Bausteine bleiben dabei dieselben.

Förderdarlehen kommen zuerst, ein Investitionsdarlehen deckt Kaufpreis, Umbau und langlebige Ausstattung, Leasing oder Mietkauf die schnell alternde Technik, eine Betriebsmittellinie die Anlaufphase. Wir holen die Angebote parallel bei Heilberufe-Spezialbanken, Universalbanken mit Heilberufe-Center und regionalen Häusern ein und vergleichen sie nach Struktur, bevor es um Konditionen geht.

Typische Belege: Geräteliste mit Angeboten, Behandlungsfälle nach Stand und Laufzeit, Aufteilung der Erlöse in Kassenanteil, Eigenanteil und Mehrleistungen, Raumkonzept mit Umbauangebot, Liquiditätsplanung für die ersten Monate. Eine Gesamtübersicht bietet Welche Unterlagen die Bank sehen will.

Stand und Quelle: geprüft am 04.10.2026. Quellen: Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und apoBank, InvestMonitor Zahnarztpraxis 2024 (Zahnmed Forsch Versorg 2025, 5: 03, veröffentlicht 10/2025), Kapitel zu kieferorthopädischen Fachpraxen mit 15 Neugründungen und 33 Übernahmen oder Einstiegen; SGB V §§ 29 und 103 (gesetze-im-internet.de, Abruf 04.10.2026); KfW-Merkblätter 067 (Stand 18.06.2026) und 077 (Stand 10.12.2025). Durchschnittswerte kleiner Stichproben, keine Zusagen, keine individuelle Wirtschaftlichkeitsprüfung. Finanzierungsberatung, keine Rechts- oder Steuerberatung (§ 1 StBerG, RDG), ohne Gewähr. Maßgeblich ist die zum Antragszeitpunkt gültige Richtlinie. Die steuerliche Würdigung Ihres Vorhabens gehört zu Ihrem Steuerberater, wir strukturieren die Finanzierung passend dazu.

Häufige Fragen

Finanzierung bei der Eröffnung einer kieferorthopädischen Praxis: Was gehört zur Gerätelinie?

Zur Gerätelinie gehören häufig Digitales Volumentomogramm (DVT), Fernröntgen und Intraoralscanner, oft auch eine eigene Fertigung für Aligner und Apparaturen. Bei Neugründungen entfielen 2024 im Schnitt 255.000 € auf Geräte, bei Übernahmen 47.000 €. Maßgeblich ist die Geräteliste der konkreten Praxis.

Startfinanzierung für eine KFO-Praxis: Welche Bausteine brauchen Sie zuerst?

Zuerst kommen Förderdarlehen, die vor Vorhabensbeginn über die Hausbank beantragt werden. Was als Beginn gilt, klären Sie vor Unterschrift unter den Kaufvertrag. Danach folgen das Investitionsdarlehen, Leasing oder Mietkauf für die Technik und die Betriebsmittellinie für die Anlaufphase.

Finanzierung, wenn ein Kieferorthopäde eine Praxis gründet: Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Bei der Gründung sparen Sie den Goodwill, tragen aber die volle Gerätelinie sofort, während die ersten Behandlungen erst anlaufen. Der InvestMonitor 2024 nennt für 15 KFO-Neugründungen im Schnitt 917.000 € Gesamtinvestition, für allgemeinzahnärztliche Neugründungen einen Median von rund 690.000 €. Maßgeblich ist die Geräteliste der Praxis.

Erstfinanzierung einer Praxis für Kieferorthopädie: Wann beantragen Sie die Betriebsmittellinie?

Die Betriebsmittellinie wird von Anfang an mitbeantragt, nicht erst, wenn das Konto eng wird. Bei einer Neugründung ist sie zwingend, weil die Anlaufphase überbrückt werden muss. Die Liquiditätsreserve muss die Zeit bis zur tragfähigen Auslastung abdecken.

Leasing von Medizintechnik: Wann ist Leasing oder Mietkauf für DVT und Scanner sinnvoll?

Leasing oder Mietkauf passen für alles, was schneller altert, als die Zinsbindung läuft, etwa DVT, Scanner und Fertigungstechnik.

Übernahme oder Neugründung?

Bei der Übernahme kaufen Sie die laufenden Behandlungsfälle mit, in diesem Fach ein wesentlicher Wert, weil die Fälle über Jahre weiterlaufen. 2024 waren knapp drei Viertel der fachzahnärztlichen Gründungen Übernahmen oder Einstiege. Die Neugründung spart den ideellen Wert, verlangt aber die volle Gerätelinie und eine Anlaufphase. Entscheidend ist die Liquidität für diese Zeit.

Gibt es eine eigene Statistik zu den Kosten einer KFO-Praxis?

Ja, der InvestMonitor Zahnarztpraxis 2024 von IDZ und apoBank weist kieferorthopädische Fachpraxen gesondert aus. Er stützt sich aber nur auf 15 Neugründungen und 33 Übernahmen oder Einstiege. Behandeln Sie die Zahlen als Größenordnung und rechnen Sie mit Ihrer Geräteliste.

Zahlt die gesetzliche Krankenkasse die gesamte kieferorthopädische Behandlung?

Versicherte tragen nach § 29 SGB V zunächst 20 % der Kosten, ab dem zweiten Kind im Haushalt 10 %. Bei erfolgreichem Abschluss erstattet die Kasse diesen Anteil zurück. Mehrleistungen zahlen Versicherte selbst, vor Beginn ist eine Vereinbarung zu treffen.

Startfinanzierung KFO-Praxis: mit der Geräteliste, nicht mit dem Durchschnitt

Unverbindliche Erstberatung kostenlos. Wir rechnen Ihr Vorhaben mit der konkreten Investitionsliste durch, Förderfähigkeit, Leasinganteil und Betriebsmittel getrennt ausgewiesen.

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