Praxisfinanzierung · Liquidität

Betriebsmittel und Anlaufphase

Nicht die Investition bringt junge Praxen in Schwierigkeiten. Es ist die Lücke zwischen dem ersten Gehalt, das Sie zahlen, und dem ersten Honorar, das ankommt.

Das Problem

Ihre Kosten starten sofort. Ihr Honorar nicht.

Die Praxis zahlt ab dem ersten Tag: Personal, Miete, Leasingraten, Versicherungen, Material. Das Honorar aus der vertragsärztlichen Abrechnung folgt dem Quartalsrhythmus — abgerechnet wird nach Quartalsende, die Restzahlung kommt mit weiterem Abstand. Zwischen Praxisstart und dem ersten wirklich tragfähigen Geldeingang liegt eine Lücke, die überbrückt werden muss.

Das ist der Klassiker. Nicht die Investition bringt junge Praxen in Schwierigkeiten, sondern die Anlaufphase. Wer sie nicht eingeplant hat, finanziert sie über den Kontokorrent nach — die teuerste Form der Praxisfinanzierung, und die einzige, die nie förderfähig ist.
Die Werkzeuge

Womit die Lücke geschlossen wird

  • Betriebsmittelanteil im Förderkredit: Im ERP-Gründerkredit — StartGeld (KfW 067) sind bis zu 80.000 € für Betriebsmittel vorgesehen (Stand 07/2026). Zu Betriebsmitteln zählen unter anderem Personalkosten, Mieten und laufende Aufwendungen. Das ist der günstigste Weg — aber nur, wenn er vor Vorhabensbeginn beantragt wird.
  • Kontokorrentlinie: als Puffer sinnvoll, als Dauerlösung teuer.
  • Privatliquidation / Factoring: Wer privatärztliche Honorare über eine Abrechnungsstelle vorfinanzieren lässt, verkürzt den Zahlungseingang deutlich. Das ist kein Kredit, sondern ein Forderungsverkauf — und für Praxen mit hohem Privatanteil oft der wirksamste Liquiditätshebel überhaupt.
  • Tilgungsfreie Anlaufjahre: im Förderdarlehen darstellbar — die Rate startet niedriger, solange die Praxis noch anläuft.
Die Planung

Was in die Liquiditätsplanung gehört

Praxiskosten ab Tag eins. Privater Lebensunterhalt, bis die Entnahmen tragen. Die Steuervorauszahlungen des zweiten Jahres — der zweite große blinde Fleck, weil sie oft dann kommen, wenn die Praxis gerade erst läuft. Und ein Puffer für das, was ausfällt: ein Gerät, eine Krankheit, eine Abrechnungsverzögerung.

Diese Planung ist keine Formalie für die Bank. Sie ist der Grund, warum manche Praxen im dritten Jahr wachsen und andere im ersten um Verlängerung bitten.

Diese Seite erklärt Finanzierungsstrukturen allgemeinverständlich. Sie ist keine Steuer- oder Rechtsberatung (§1 StBerG, RDG). Die steuerliche Würdigung Ihres Vorhabens gehört zu Ihrem Steuerberater — ich strukturiere die Finanzierung passend dazu.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie lange dauert es bis zum ersten Honorar?
Die vertragsärztliche Abrechnung folgt dem Quartal: Abgerechnet wird nach Quartalsende, die Restzahlung kommt mit weiterem zeitlichem Abstand. Rechnen Sie deshalb nicht mit Wochen, sondern mit Monaten — und planen Sie Praxiskosten und privaten Lebensunterhalt für diesen Zeitraum ein.
Ist die Betriebsmittellinie förderfähig?
Betriebsmittel sind im ERP-Gründerkredit — StartGeld bis zu 80.000 € förderfähig (Stand 07/2026) — aber nur bei rechtzeitigem Antrag vor Vorhabensbeginn. Ein nachträglich aufgestockter Dispo ist es nie. Das ist einer der Gründe, warum die Reihenfolge über die Kosten des ersten Jahres entscheidet.
Lohnt sich Factoring über eine Abrechnungsstelle?
Für Praxen mit relevantem Privatanteil häufig ja: Der Zahlungseingang wird planbar und deutlich früher. Es ist kein Kredit, sondern ein Forderungsverkauf — die Kosten sind gegen den Liquiditätsgewinn und die eingesparte Verwaltung zu rechnen. Bei reiner Kassenpraxis greift der Hebel kaum.

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