Praxisfinanzierung · Kapitalbedarf

Was kostet eine Praxis?

Die ehrliche Antwort: Es hängt an Ihrer Geräteliste, nicht an Ihrer Fachrichtung. Drei Bedarfsgruppen — und drei sehr verschiedene Finanzierungsstrukturen.

Die Zahlen

Was Gründer tatsächlich bezahlt haben

Die belastbarsten Zahlen zum Kapitalbedarf einer Praxis stammen nicht aus Ratgebern, sondern aus den Finanzierungsakten selbst: Die apoBank wertet ihre begleiteten Existenzgründungen jährlich aus, für die Zahnmedizin gemeinsam mit dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Das sind keine Schätzungen, sondern abgeschlossene Finanzierungen.

VorhabenKaufpreis (Ø)Gesamtinvestition (Ø)Anmerkung
Zahnarzt — Einzelpraxis-Übernahme226.000 €450.000 €Häufigster Weg (67 % der Gründungen). Kaufpreis 2024 rund 9 % gesunken, Gesamtinvestition trotzdem auf Höchststand.
Zahnarzt — BAG-Übernahme429.000 € je InhaberRund ein Viertel der Gründungen.
Zahnarzt — Neugründung690.000 € (Median)Nur 7 % der Fälle — der teuerste Weg, mit starker Streuung.
Hausarzt — Einzelpraxis-Übernahme110.100 €188.200 €Der häufigste ärztliche Gründungsweg. Ländlich Ø 91.100 €, Großstadt Ø 124.900 €.
Apotheke — Übernahme811.000 €Stärkster Anstieg aller Heilberufe (+14 % in einem Jahr).

Quelle: apoBank-Existenzgründungsanalysen; Zahnmedizin gemeinsam mit dem IDZ. Zahnärztliche Werte Berichtsjahr 2024 (veröffentlicht Oktober 2025, Stichprobe rund 460 begleitete Gründungen), ärztliche Werte Auswertungszeitraum 2022/2023, Apotheken Berichtsjahr 2024. Durchschnittswerte, keine Zusagen.

Der Mittelwert ist die gefährlichste Zahl auf dieser Seite.

Hinter den 226.000 € Kaufpreis bei Zahnärzten steckt eine enorme Spreizung: Ein Viertel der Gründer zahlte höchstens 100.000 €, ein weiteres Viertel über 300.000 €. Bei jeder fünften Übernahme lag die Gesamtinvestition über 600.000 €. Wer nach dem Durchschnitt plant, plant an seiner eigenen Praxis vorbei — die Spanne ist die Information, nicht der Mittelwert.

Der Treiber

Nicht die Praxis ist teuer — die Geräte sind es

Die Investitionsstruktur zeigt es unmissverständlich. Bei einer zahnärztlichen Neugründung entfiel fast die Hälfte des Investitionsvolumens auf medizinisch-technische Geräte; Umbau und Einrichtung samt IT machten je rund ein Sechstel aus, der Rest verteilte sich auf Sonstiges einschließlich Betriebsmittel (Berichtsjahr 2023, IDZ/apoBank).

Daraus folgt die einzige Regel, die über alle Fachrichtungen trägt: Ihr Kapitalbedarf steht auf Ihrer Geräteliste, nicht in Ihrem Fachgebietsnamen. Zwei orthopädische Praxen können sich um ein Vielfaches unterscheiden, je nach Bildgebung.

BedarfsgruppeTypischWas die Finanzierung prägt
Gering apparativPsychotherapie, Allgemeinmedizin ohne TechnikRäume, IT, Einrichtung. Scheitert fast nie am Betrag — aber gelegentlich an der Betriebsmittelplanung.
Mittel apparativHausarzt mit Labor/EKG/Sono, Kinderärzte, HNO, DermaDer klassische Fall für KfW-Förderdarlehen plus Bankdarlehen — der Hausarzt-Durchschnitt liegt vollständig im Rahmen des ERP-Gründerkredits.
Hoch apparativZahnmedizin, Orthopädie, Radiologie, Augenheilkunde, ChirurgieHier ist der 200.000-€-Rahmen des StartGeld regelmäßig zu klein. Es braucht eine Struktur aus Bankdarlehen, Leasing und ggf. KfW 077 mit Bürgschaftsbank.
Konsequenz

Warum die Fachrichtung die Bankenauswahl vorentscheidet

Die Zahlen oben entscheiden vor: Eine Hausarztübernahme im Bereich von 188.000 € Gesamtinvestition passt vollständig in den Rahmen des ERP-Gründerkredits — eine zahnärztliche Übernahme bei 450.000 € nicht mehr. Was für den einen ein einziges Förderdarlehen ist, wird für den anderen eine dreiteilige Struktur.

Eine gering apparative Praxis ist für fast jedes Haus finanzierbar — hier lohnt der Vergleich über Regionalbanken, weil die Summe klein und die Bonität gut ist.

Eine hoch apparative Praxis hingegen braucht ein Haus, das Medizintechnik bewerten kann. Eine Bank, die nicht weiß, was eine Behandlungseinheit nach fünf Jahren wert ist, setzt den Sicherheitenwert konservativ an — und verlangt entsprechend mehr. Genau hier zahlt sich die Heilberufe-Spezialisierung eines Instituts real aus, nicht im Marketing.

Und genau hier entsteht auch die Leasingfrage: Ab welchem Gerätewert schont Leasing die Kreditlinie so weit, dass die Gesamtstruktur besser wird? Das ist eine Rechnung, keine Überzeugung — hier steht sie.

Diese Seite erklärt Finanzierungsstrukturen allgemeinverständlich. Sie ist keine Steuer- oder Rechtsberatung (§1 StBerG, RDG). Die steuerliche Würdigung Ihres Vorhabens gehört zu Ihrem Steuerberater — ich strukturiere die Finanzierung passend dazu.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Gibt es Durchschnittswerte pro Fachrichtung?
Ja — die apoBank wertet ihre begleiteten Gründungen jährlich aus. Für 2024: zahnärztliche Einzelpraxis-Übernahme Ø 226.000 € Kaufpreis und Ø 450.000 € Gesamtinvestition; Hausarztübernahme Ø 110.100 € Kaufpreis und Ø 188.200 € Gesamtinvestition (2022/2023). Als Orientierung taugen diese Werte, als Planungsgrundlage nicht: Die Spreizung ist gewaltig — ein Viertel der Zahnärzte zahlte höchstens 100.000 €, ein weiteres über 300.000 €. Belastbar sind nur Ihre Investitionsliste und die Zahlen des Abgebers.
Warum ist Zahnmedizin so kapitalintensiv?
Weil der Gerätepark den Kapitalbedarf dominiert: Bei zahnärztlichen Neugründungen entfiel fast die Hälfte des Investitionsvolumens auf medizinisch-technische Geräte (IDZ/apoBank, Berichtsjahr 2023). Behandlungseinheiten, Sterilisation, digitale Abformung, Röntgen — das summiert sich. Deshalb ist der 200.000-€-Rahmen des ERP-Gründerkredits StartGeld bei Zahnarztpraxen regelmäßig ausgeschöpft, bevor der Kaufpreis vollständig abgebildet ist.
Sind niedrige Kosten ein Vorteil bei der Bank?
Nicht automatisch. Ein niedriger Kapitalbedarf heißt auch: geringere Sicherheiten, oft niedrigerer Umsatz. Psychotherapeutische Praxen scheitern selten am Investitionsbetrag — aber gelegentlich an der Betriebsmittelplanung, weil die Anlaufphase unterschätzt wird.

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