Wovon hebt sich die Privatpraxis bewusst ab?
Von der regulären fachärztlichen Niederlassung: Eine Privatpraxis investiert bewusst über deren Kaufpreisen, und zwar in Lage, Ausstattung und Service. Eine gesonderte Marktstatistik für exklusive Privatpraxen gibt es nicht.
Was kostet eine Privatpraxis? Eine gesonderte Marktstatistik für exklusive Privatpraxen gibt es nicht. Zur Einordnung: Bei regulären fachärztlichen Übernahmen lag die Gesamtinvestition 2023/2024 zwischen 62.400 € (Psychiatrie/Psychotherapie) und 529.100 € (Orthopädie, apoBank/Zi). Eine Privatpraxis investiert bewusst darüber, in Lage, Ausstattung und Service. Maßgeblich ist die konkrete Investitionsliste. In früheren Auswertungen (2022/2023) lagen die Kaufpreise bei 189.200 € (Innere Medizin) und 171.500 € (Gynäkologie). Diese Werte sind überholt.
Geräteintensive Medizin ist teurer als sprechende Medizin. Das gilt zwischen den Fächern und auch innerhalb desselben Fachs. Eine psychiatrische oder psychotherapeutische Niederlassung kommt ohne kostenintensive Medizintechnik aus und liegt strukturell weit unter einer orthopädischen Praxis. Genau diese Geräte- und Ausstattungsintensität erhöht eine exklusive Privatpraxis zusätzlich bewusst.
Drei zusätzliche Investitionsebenen: Eine Privatpraxis unterscheidet sich von einer klassischen Kassenniederlassung nicht in der Struktur der Finanzierung, aber im Umfang dessen, was finanziert wird. Die Lage verlangt in wirtschaftlich starken Regionen entsprechende Miet- oder Kaufkosten. Ausstattung und Diagnostik mit moderner Medizintechnik und hochwertigem Innenausbau sind Teil des Leistungsversprechens. Der Patientenservice mit digitalem Praxismanagement, IT-Sicherheit und qualifiziertem Personal ist ab dem ersten Tag nötig, nicht erst nach dem Anlaufen der Auslastung.
Privatpraxis gründen oder übernehmen, wie finanziere ich das? Wer eine Privatpraxis gründen oder übernehmen will, braucht eine Finanzierung, die ohne die planbaren Einnahmen der Kassenzulassung auskommen muss. Der Umsatz kommt aus Privatpatienten und Selbstzahlerleistungen. Zu erwarten ist, dass die Bank deshalb Standort, Fachrichtung, Positionierung und Anlaufphase genauer ansieht. Das ist unsere Einschätzung, keine belegte Bankregel. Welche Bank Privatpraxen ohne Kassen-Einnahmen finanziert, unterscheidet sich, das klären wir im Gespräch.
Es gibt keine feste Eigenkapitalquote, das Gesamtkonzept entscheidet: Eine Finanzierung ist auch mit begrenztem Eigenkapital möglich, wenn das Gesamtkonzept trägt. Entscheidend sind Standortanalyse, Businessplan und eine realistische Umsatzplanung. Ein bestehender Patientenstamm kann bei einer Übernahme mehr wert sein als moderne Ausstattung.