Zahnmedizin · Neugründung

Zahnarztpraxis gründen — Kosten der Neugründung

Eine Zahnarztpraxis gründen ist die teurere der beiden Wege — dafür entsteht sie genau so, wie Sie sie wollen. Ob Zahnarztpraxis Gründung oder Zahnarztpraxis eröffnen: Entscheidend ist die Reihenfolge der Investitionen, was am Anfang stehen muss und was warten kann.

Was kostet die Neugründung einer Zahnarztpraxis?

Sie ist der seltenste und der teuerste Weg in die Niederlassung: Bei zahnärztlichen Neugründungen lag die Gesamtinvestition zuletzt im Median bei rund 690.000 Euro, und Neugründungen machten gut 7 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründungen aus (apoBank/IDZ, Berichtsjahre 2023/2024). Knapp die Hälfte des Volumens entfällt dabei auf medizinisch-technische Geräte — Behandlungseinheiten, digitales Röntgen, Intraoralscanner, Sterilisations- und Hygienetechnik. Der Rest verteilt sich auf Räume und Ausbau, Praxissoftware und Netzwerk sowie den Start des Praxismarketings. Dafür entsteht eine Praxis ohne Altlasten — aber auch ohne Umsatz am ersten Tag, und das ist der eigentliche Unterschied zur Übernahme. Die Liquidität für die ersten Monate ist deshalb kein Anhang der Rechnung, sondern ihr Kern: Sie entscheidet, ob die Praxis die Zeit bis zur ersten vollen Abrechnung übersteht. Weil fast die Hälfte des Kapitals in Technik mit begrenztem Lebenszyklus fließt, gehört außerdem früh geklärt, welche Geräte über die Bank und welche über Leasing laufen sollen.

Warum es teurer ist

Bei der Gründung fehlt alles, was die Übernahme mitbringt

Räume, Ausbau, Behandlungseinheiten, digitales Röntgen, Intraoralscanner, Sterilisations- und Hygienetechnik, Praxissoftware, Server, Netzwerk, Möblierung, Marketing zum Start — und Betriebsmittel für die Monate, in denen der Patientenstamm erst entsteht. Nichts davon ist vorhanden, alles davon ist zu finanzieren.

Die Größenordnung: Bei zahnärztlichen Neugründungen lag die Gesamtinvestition zuletzt im Median bei rund 690.000 €. Knapp die Hälfte des Investitionsvolumens entfiel dabei auf medizinisch-technische Geräte.

Quelle: apoBank/IDZ, InvestMonitor Zahnarztpraxis (Berichtsjahre 2023/2024). Neugründungen machten zuletzt gut 7 % der zahnärztlichen Existenzgründungen aus. Durchschnitts- bzw. Medianwerte ausgewerteter Gründungen — keine Zusagen.

Die Digitalisierung ist der Treiber. Digitale Patientenakte, digitales Röntgen, Intraoralscanner, CAD/CAM, Online-Terminverwaltung, IT-Sicherheit und Backup gehören heute zum Standard, nicht zur Kür. Sie erhöhen den Kapitalbedarf sofort — und senken die laufenden Kosten erst später.
Vorlauf

Vor der Finanzierung steht die Zulassung

Die vertragszahnärztliche Zulassung nach der Zahnärzte-Zulassungsverordnung (Zahnärzte-ZV) i. V. m. § 95 SGB V setzt neben der Approbation eine Vorbereitungszeit voraus — davon mindestens sechs Monate als Assistent oder Assistentin bei einem Kassenzahnarzt —, dazu Residenzpflicht am Praxissitz und eine Berufshaftpflichtversicherung nach § 18 Abs. 1 Zahnärzte-ZV. Wer diese Kette nicht von Anfang an mitplant, verliert wertvolle Zeit — nicht bei der Finanzierung, sondern schon davor.

Die Konsequenz für die Finanzierungsplanung: Förderanträge, Angebote und Bankgespräche gehören erst dann terminiert, wenn die Zulassung absehbar steht. Wer umgekehrt plant — erst finanzieren, dann Zulassung abwarten — riskiert ausgelaufene Angebote und veraltete Kalkulationen.
Kapitalbedarf

Wie sich der Bedarf zusammensetzt

Neugründung

Vollständig digitale Praxis

Modellrechnung · kein Mandat
  • Praxisausbau150.000 €
  • Behandlungstechnik250.000 €
  • IT und Digitalisierung60.000 €
  • Möbel und Einrichtung40.000 €
  • Liquiditätsreserve110.000 €
  • Sonstige Investitionen80.000 €
  • Gesamtbedarf690.000 €

Beispielhafte Aufteilung an der Größenordnung des Medians. Keine verbindliche Kalkulation.

Modellrechnungen ohne Gewähr. Keine verbindlichen Angebote. Konditionen variieren je nach Bonität, Objekt und Bank. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Die Aufteilung ist ein Modell, kein Marktwert: Je nach Standort, Praxisgröße, Zahl der Behandlungszimmer und technischem Konzept verschieben sich die Positionen erheblich. Belastbar wird der Plan erst mit Ihren Angeboten — deshalb verlangt die Bank sie auch.

Anlaufphase

Die Liquidität entscheidet über die ersten Monate

Keine neue Praxis erreicht im ersten Monat die geplanten Umsätze. Patienten kommen nach und nach, Abrechnungen folgen dem Quartalszyklus — Gehälter, Miete, Material, Labor, Versicherungen und Marketing laufen ab Tag eins. Genau diese Lücke ist der Grund, aus dem Neugründungen scheitern, nicht die Ausstattung.

Eine zu knapp kalkulierte Betriebsmittelreserve erzeugt Druck in der empfindlichsten Phase. Mehr dazu unter Betriebsmittel und Anlaufphase.

Ein konkretes Instrument dagegen: tilgungsfreie Anlaufjahre, meist ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit zahlen Sie nur Zinsen, keine Tilgung — die Rate ist niedriger, während sich der Patientenstamm erst aufbaut. Ob und in welcher Länge das Ihre Bank anbietet, gehört in jedes Finanzierungsgespräch zur Neugründung.

Struktur

Wie die Neugründung finanziert wird

  • KfW 067 bis 200.000 €, davon bis 80.000 € Betriebsmittel, mit 80 % Haftungsfreistellung (Stand 07/2026) — bei einer vollständigen Neugründung selten allein ausreichend.
  • KfW 077 bis 500.000 € mit Garantie der Bürgschaftsbank — der übliche Rahmen für diese Größenordnung (nicht mit 067 kombinierbar).
  • Investitionsdarlehen für langlebige Einheiten, Leasing oder Mietkauf für schnell alternde Technik (die drei Wege im Vergleich).
  • Betriebsmittellinie für die Aufbauphase.

Die Reihenfolge ist die eigentliche Beratung: Der Förderantrag läuft über die Hausbank und muss vor Vorhabensbeginn gestellt werden. Ein unterschriebener Mietvertrag oder eine bestellte Behandlungseinheit kann bereits als Vorhabensbeginn gelten — dann ist die Förderfähigkeit endgültig verloren (Fördermittel für die Praxis).

Unterlagen: Businessplan, Investitionsplan, Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplanung, Lebenslauf, Approbation, Angebote für Geräte und Einrichtung, Mietvertrag oder Bauunterlagen, private Vermögensübersicht — was die Bank daraus liest.

Diese Seite erklärt Finanzierungsstrukturen allgemeinverständlich. Sie ist keine Steuer- oder Rechtsberatung (§1 StBerG, RDG). Die steuerliche Würdigung Ihres Vorhabens gehört zu Ihrem Steuerberater — ich strukturiere die Finanzierung passend dazu.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie hoch sind die Kosten einer zahnärztlichen Neugründung?
Die Gesamtinvestition lag zuletzt im Median bei rund 690.000 € (IDZ/apoBank). Der tatsächliche Bedarf hängt von Standort, Praxisgröße, Zahl der Behandlungszimmer und technischem Konzept ab und streut entsprechend stark.
Warum ist die Neugründung teurer als eine Übernahme?
Weil Räume, Technik, Einrichtung und Organisation vollständig neu aufgebaut werden. Bei einer Übernahme ist vieles davon vorhanden — dafür wird der Goodwill bezahlt. Der Unterschied ist nicht nur die Summe, sondern der Zeitpunkt des ersten Umsatzes.
Kann eine Neugründung vollständig finanziert werden?
Das hängt von der Tragfähigkeit des Konzepts, der persönlichen Situation und den Kreditrichtlinien des jeweiligen Hauses ab. Eine pauschale Aussage ist nicht möglich — Förderbausteine mit Haftungsfreistellung verbessern die Ausgangslage jedoch spürbar.
Welche Kosten werden am häufigsten unterschätzt?
Betriebsmittel, IT und Digitalisierung, Umbau und Marketing zum Praxisstart. Die Behandlungseinheiten stehen in jedem Plan — die Liquidität für den vierten Monat selten.

Neugründung strukturieren lassen

Unverbindliche Erstberatung kostenlos. Ich prüfe die Förderfähigkeit vor dem ersten Vertrag und hole die Angebote bei mehreren Häusern parallel ein.